geschrieben von: Christoph Klink | 07.09.2016, 17:05

12 Monkeys auf all zesamme

Handball findet längst nicht nur in der Halle statt, sondern auch draußen und auf Sand. Der amtierende deutsche Vizemeister im Beachhandball, die 12 Monkeys Köln, hat über all zesamme Geld für neue Trikots, Bälle und Ballnetze eingesammelt und gleichzeitig Werbung für den tollen Sport gemacht. Jan Ertel, einer der Gründer des Vereins, im Gespräch.

Können Sie Ihren Verein kurz vorstellen?
Wir sind seit 2014 als eingetragener Verein aktiv, um damit unserer Sportart mehr Geltung zu verschaffen. Vorher gab es uns als Mannschaft bereits seit 2010. Seit einigen Monaten sind wir nach langem Aufnahmeprozedere auch Mitglied des Handballkreises Köln/Rheinberg und somit Teil des Deutschen Handballbundes (DHB). Anfang der 90er Jahre in wurde Beachhandball als lockere, spaßbetonte Alternative zum „harten“ Hallenhandball entwickelt. Schnell entwickelte sich auch in Deutschland eine kleine Szene, alsbald gab es auch eine Turnierserie um die Deutsche Meisterschaft. 2010 haben wir uns entschieden, dort auch mit zu mischen.

Da das erste Treffen zur Gründung unseres Teams in einer Cocktailbar namens „Monkeys“ statt fand und wir ziemlich genau 12 Herren waren, hat sich der Teamname – in Anlehnung an einen Kultfilm der 90er Jahre – quasi selbst gefunden...

Was macht Ihren Verein aus?
Der Verein steckt noch in den Kinderschuhen. Trotzdem ist bei allen Mitgliedern schon jetzt ein großer Wille vorhanden, den Verein und den Beachhandball in Deutschland zu „promoten“ und weiterzuentwickeln. Alle Mitglieder sind hoch motiviert, vor allem Nachwuchs zu finden, denn auch unsere 12 Monkeys werden nicht mehr jünger und möchten ihre Erfahrung an den Nachwuchs weiter geben. Dafür veranstalten wir seit diesem Jahr die „Affen-Akademie“ für Jugendliche. Zudem laden wir auch Hallenteams gerne zu einem Beach-Trainingstag ein, um die etwas andere Philosophie der Sandvariante zu vermitteln. Grundsätzlich ist es uns als Verein sehr wichtig, die wichtigsten „Regeln“ der Sportart zu beachten. Diese lauten „Fair Play, kreatives Spiel und Spielwitz“, kurz gesagt: Spaß am Sport.

Können Sie uns noch ein paar weitere wichtige Regeln der Sportart erläutern?
Der Angriff findet immer in Überzahl statt, da der Torwart bei Ballbesitz immer mit raus kommt. Somit entstehen schnell Torchancen und das Spiel bleibt in Bewegung. Das Tor vom speziell markierten Torwart wird dafür auch mit zwei anstatt einem Punkt belohnt. Zwei Punkte werden außerdem auch für besonders spektakuläre Treffer, zum Beispiel aus dem „Spinshot“ - einem Sprungwurf mit Pirouette - vergeben, was den Sport nochmal attraktiver macht.

Und um die Frage zu beantworten, die sich die meisten an dieser Stelle stellen: „Wie prellt man den Ball im Sand...?“ Das Prellen ist kaum notwendig, aber ein Ablegen des Balles im Sand ist erlaubt. Es gibt weniger Körperkontakt als beim Hallenhandball, da Fair Play und Spielwitz an oberster Stelle stehen. Somit sind Pirouetten und daraus entstehende Würfe oder spektakuläre Sprünge immer gerne gesehen.

Wer ist für Ihr Team geeignet?
Grundsätzlich jeder, der charakterlich in unser Team passt. Aber man benötigt auch Sprungkraft und eine Grundfitness, denn das Laufen im Sand ist nicht ohne. Größe wäre auch von Vorteil, denn „1,95 kann man nicht trainieren!“. Das ist aber natürlich kein Muss. Man muss auch keine Handballerfahrung haben, schaden tut sie aber auch nicht. Die meisten unserer Spieler sind außerhalb der Beachsaison auch noch aktive Hallenhandballer.

Wie kommt man darauf, einen solchen Verein zu gründen?
Es gab bis 2014 nur wenig Unterstützung durch den DHB für Beachhandball. So war ein wichtiger Beweggrund zur Vereinsgründung, dem DHB zu zeigen, dass es uns mit dem Sport ernst ist. Ebenso wollten wir als eins der führenden Teams in der Republik mit gutem Beispiel vorangehen und haben unseren Weg zum „e. V.“ auch stets per Social Media dokumentiert – denn wir wollten Nachahmer in der Szene generieren. Vielleicht war diese Öffentlichkeitsarbeit auch ein kleiner Baustein, der geholfen hat, dass es nun seit 2015 wieder eine offizielle Deutsche Meisterschaft gibt.

Wir sind zudem überzeugt davon, dass unsere junge Sportart noch viel Entwickungspotenzial bietet und gerade deshalb von „spezialisierten“ Vereinen in die Hand genommen werden sollte. Es gibt noch nicht den einen „perfekten“ oder „richtigen“ Spielstil, jede Mannschaft hat ihren eigenen Stil und die Sportart entwickelt sich, durch das Aufeinandertreffen der Vereine stetig weiter.

Ein großer Erfolg, der jetzt auf Bestreben der Internationalen Handballföderation erzielt wurde ist, dass die Sportart, bei den nächsten Olympischen Jugendspielen 2018 dabei ist. Das große Ziel ist die Aufnahme in das Programm der Olympischen Spiele 2024. Dabei hoffen wir natürlich, auch unsere Nachwuchsspieler in das Olympiateam bringen zu können – die Mehrheit des Gründungsteams ist mittlerweile jenseits der 30, so wird Olympia 2024 wohl nichts mehr (lacht).

Wie sind Sie auf die Plattform „all zesamme“ aufmerksam geworden?
Die erste Frage, die sich stellte, war natürlich: Wo wird das Vereinskonto eröffnet? Im Internet haben wir dann die Plattform „all zesamme“ der Kölner Bank entdeckt und uns dafür entschieden, dass das eine tolle Idee, gerade für junge Vereine ist. Wir wollten uns damit eine gesunde finanzielle Basis für den Start ins Vereinsleben schaffen.

Wie hat sich die Spende auf den Verein ausgewirkt? Was hat sich dadurch verändert und was konnte durch die Spende angeschafft werden?
Es wurden zum einen dringend neue Trikots und zum anderen neue Bälle und Ballnetze benötigt, diese konnten durch die Spende angeschafft werden. Außerdem wurde die Sportart bekannter, es interessierten sich mehr Jugendliche für den Sport und die Jugendarbeit konnte verbessert werden.
Ebenfalls haben wir viele großartige Kontakte knüpfen können, die uns sehr viel weiter gebracht haben. Die Spenden haben auch unsere Teilnahmen an internationalen Turnieren vereinfacht: Die Kosten für Flüge und Unterkunft, die wir sonst komplett aus eigener Tasche finanzieren mussten, konnten zu einem Teil aus der Vereinskasse bezahlt werden. Dies entlastet natürlich vor allem die jüngeren Spieler, die noch in Studium oder Ausbildung sind.

Würden Sie die Plattform „all zesamme“ weiterempfehlen?
Es ist wichtig zu wissen, was man vorhat und ob man das Ganze „promoted“ bekommt. Gute Voraussetzungen sind dabei Aktivitäten in den sozialen Medien und ein bereits intaktes Vereinsumfeld. Die Unterstützung der Kölner Bank ist hierbei super und hat uns auch sehr weitergeholfen. Man bekommt auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit, denn neben den vielen Freunden aus der Beachszene ist der eine oder andere Unterstützer auch bis dato fremd gewesen.

Der Gemeinschaftsgedanke an der Plattform ist toll: „wenn man etwas bewegen möchte, muss man sich auf die Gemeinschaft verlassen.“ Hier spiegelt sich genau der Teamgeist und Gemeinschaftsgedanke wieder, der auch eine übergeordnete Rolle in unserer Sportart spielt. Unsere Vorstellungen, was die Spende angeht, wurden deutlich übertroffen und darüber sind wir sehr glücklich. Nicht zuletzt bestätigt uns das ja auch, auf einem guten und unterstützenswerten Weg zu sein.
Alles in allem ist die die Plattform „all zesamme“ in jedem Fall empfehlenswert.

Das Interview führte: Anna Balling

Schlagwörter: Beachhandball, all zesamme, Projekt, 12 Monkeys, Köln

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